Viva con Agua

Namaste Nepal! Auf Projektreise mit Viva con Agua.

Anfang November ging es gemeinsam mit Viva con Agua de St. Pauli e.V. (VcA) und der Welthungerhilfe nach Nepal auf Projektreise. Mit von der Partie: 12 Viva con Agua Supporter und zwei Mitarbeiter der Welthungerhilfe aus Bonn und Kathmandu.

Für die, die Viva con Agua nicht kennen: VcA ist ein gemeinnütziger Verein, der 2006 vom ehemaligen St. Pauli-Fußballspieler Benny Adrion gegründet wurde. Im Vordergrund der Vereinsarbeit steht Fundraising für WASH-Projekte (Water, Sanitation & Hygiene), um den Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen in Entwicklungsländern zu ermöglichen. Die Spendengelder werden vorrangig über Aktionen wie ‘Spende dein Pfand für sauberes Trinkwasser’ auf Konzerten & Festivals gesammelt. Ich engagiere mich seit einigen Jahren ehrenamtlich für den Verein (insbesondere bei Viva con Agua München) und hatte dadurch die großartige Gelegenheit die Projektreise begleiten zu dürfen.

Nepal beeindruckt mit einer atemberaubenden Landschaft und wahnsinniger Gastfreundschaft. Wir haben leider nur einen Bruchteil zu Gesicht bekommen, aber das hat genügt, um sich ein wenig in das Land zu verlieben. Dieser fotogeladene Beitrag soll euch einen kleinen Eindruck davon verschaffen.

Nepal glänzt allerorts mit Farbenfreude.

Nepal glänzt allerorts mit Farbenfreude.

Leckeres nepalesisches Essen

Leckeres nepalesisches Essen namens Samaya Baji

Die Projektreise war eine wunderbare Gelegenheit, um einen Einblick in ein Projektgebiet zu erhalten, welches von Viva con Agua und der Welthungerhilfe Unterstützung bekommt. Die Welthungerhilfe arbeitet weltweit mit verschiedenen Partnerorganisationen zusammen. Dadurch lässt sich auf das Wissen und Erfahrungswerte von Locals zurückgreifen – ein Aspekt, der für erfolgreiche Entwicklungshilfe von großer Bedeutung ist. Im Fall des Projektgebiets in Chitwan handelt es sich dabei um Rural Reconstruction Nepal (RRN). Chitwan stellt einen äußerst gegensätzlichen Distrikt Nepals dar – einerseits ist dieser aufgrund von ausgeprägtem Tourismus innerhalb des Nationalparks mancherorts von Wohlstand gesegnet. An anderen Orten, insbesondere in höheren Gebirgslagen, herrschen hingegen ärmliche Verhältnisse.

Für mich war die Projektreise vor allem auch deshalb spannend, weil ich über das weltwärts-Programm in Indien ebenfalls mit Organisationen im WASH-Bereich arbeite. Zwar stellen Nepal und Indien Nachbarländer dar, so dass sich durchaus einige Parallelen erkennen lassen. Besonders hervorzuheben ist hierbei z.B. die „Klo-Kultur“. In beiden Ländern sind meist Hock-Toiletten anzufinden und Toilettenpapier gibt es auch nicht – stattdessen nutzt man Wasser und die linke Hand, um sich nach dem verrichteten Geschäft zu reinigen. Wiederum gibt es jedoch auch zahlreiche Unterschiede, welche nicht zuletzt durch geografische Begebenheiten bedingt sind – während in Indien an vielen Orten Wasserknappheit herrscht, hat Nepal dank der Gebirgslage eine bessere Ausgangsposition für die Wasserversorgung.

Toilettenhäuschen am Wegesrand mit Ausblick.

Toilettenhäuschen am Wegesrand mit Ausblick.

Bitte einmal hinhocken: typisches Klo hierzulande.

Bitte einmal hinhocken: typisches Klo hierzulande.

Doch nicht jeder hat einen Zugang zu Toiletten. Open Defecation ist stattdessen für zahlreiche Menschen Alltag. Weltweit haben 2,4 Milliarden Menschen keine ausreichende Sanitärversorgung. Dies hat fatale Auswirkungen auf die Gesundheit, Bildung, Sicherheit und Lebensqualität der Menschen, wie ihr im folgenden Video sehen könnt. VcA, die Welthungerhilfe und RRN wollen dem entgegenwirken. Um einen besseren Vergleich ziehen zu können, besichtigten wir sowohl Gebiete ohne bisherige Versorgung sowie Areale, in denen bereits Interventionen stattgefunden haben.

Die täglichen Ausflüge führten uns vor allem die Lebensumstände der Bewohner vor Augen: aufgrund der infrastrukturell schlecht erschlossenen Gebirgslage wird der Alltag zur großen Herausforderung. Der Gang zur Schule kann mehrere Stunden einnehmen, die Beschaffung von Wasser und Lebensmitteln wird zur Last und die Suche nach einem ’stillen Örtchen‘ im Freien raubt enorm viel Zeit. Um in die Projektgebiete zu gelangen, stand demnach ausgiebiges Wandern auf dem Programm.

Bevor unsere Wanderungen starten, düsen wir zunächst mit unseren Jeeps von unserer Unterkunft in die Projektgebiete. Steine und Flüsse stellen dabei keine Hindernisse dar.

Bevor unsere Wanderungen starteten, düsten wir zunächst mit unseren Jeeps von unserer Unterkunft in die Projektgebiete. Steine und Flüsse stellten dabei keine Hindernisse dar.

Unten: START. Oben: ZIEL. Auf diesem Berg schauten wir uns ein Gebiet ohne bisherige Sanitärversorgung an.

Unten: START. Oben: ZIEL. Auf diesem Berg schauten wir uns ein Gebiet ohne bisherige Sanitärversorgung an.

Verdiente Pause am Fluss nach dem ersten Wandertag.

Verdiente Pause am Fluss nach dem ersten Wandertag.

Eine Technik zur Wasserentkeimung, die den Bewohnern beigebracht wird: SODIS = Solar Water Disinfection. Durch UV-A-Strahlung im Sonnenlicht werden die Keime abgetötet.

Eine Technik zur Wasserentkeimung, die den Bewohnern beigebracht wird: SODIS = Solar Water Disinfection. Durch UV-A-Strahlung im Sonnenlicht werden die Keime abgetötet.

Der Anblick dieser wunderschönen Landschaft lässt jegliche Wanderstrapazen schnell vergessen.

Der Anblick dieser wunderschönen Landschaft ließ jegliche Wanderstrapazen schnell vergessen.

Immer wieder begegnen wir Infotafeln mit Bildern und Hinweisen, um hygienische Bedingungen hinsichtlich der Trinkwasser- und Sanitärversorgung zu gewährleisten.

Immer wieder begegneten wir Infotafeln mit Bildern und Hinweisen, um hygienische Bedingungen hinsichtlich der Trinkwasser- und Sanitärversorgung zu gewährleisten.

Besonders spannend waren die Momente, in denen wir mit Anwohnern ins Gespräch kamen – Surendra, Mitarbeiter der Welthungerhilfe in Kathmandu, stand uns dabei übersetzend zur Seite. Oftmals wurden wir von den Gemeinden mit Blumenketten und einem roten Punkt auf der Stirn zeremoniell begrüßt.
Im Gespräch mit der Dorfbewohnerin Shreemaya hat es mich vor allem gefreut, als sie von ihren Erfahrungen mit Bewohnern aus benachbarten Dörfern ohne bisherige Förderung sprach. Statt Neid zu empfinden, begegnen ihr andere Menschen vielmehr mit Neugierde und Interesse, um von ihrem Wissen über Wasser, Sanitation und Hygiene zu lernen. Schön, wenn solch ein Ausstrahlungseffekt zustande kommt.

Shreemaya ist Mitglied eines Wasserkomitees und übernimmt damit eine verantwortungsvolle Aufgabe, um andere Dorfbewohner auf WASH-Themen aufmerksam zu machen.

Shreemaya ist Mitglied eines Wasserkomitees und übernimmt damit eine verantwortungsvolle Aufgabe, um andere Dorfbewohner auf WASH-Themen aufmerksam zu machen.

Im Rahmen unserer Reise besuchten wir auch eine Schule, an der von VcA, der Welthungerhilfe und RRN finanzierte Toiletten gebaut wurden. Da der Wanderweg einige Zeit in Anspruch nahm, übernachteten wir auf dem Berg im Schulgebäude. Am nächsten Morgen stellten wir uns den Schülern vor und führten einige wasserbezogene Spiele mit ihnen durch.

Die Reisegruppe auf dem Weg zur Schule, welche sich oben auf einem Berg im Distrikt Chitwan befindet. 600 Höhenmeter legten wir dafür zurück.

Die Reisegruppe auf dem Weg zur Schule, welche sich oben auf einem Berg im Distrikt Chitwan befindet. 600 Höhenmeter legten wir dafür zurück.

Auf diesem Bild zu sehen: unser Wanderweg.

Auf diesem Bild zu sehen: unser Wanderweg.

Herrliche Natur auf dem Weg zur Schule.

Herrliche Natur auf dem Weg zur Schule.

Auf dem Schulhof

Auf dem Schulhof

Für die Schulkinder hatten wir einige wasserbezogene Spiele in petto. Außerdem spielten unsere Herren mit den Kids Fußball - die Freude war auf beiden Seiten groß.

Für die Schulkinder hatten wir einige wasserbezogene Spiele in petto. Außerdem zockten unsere Herren mit den Kids Fußball – die Freude war auf beiden Seiten groß.

Auf dem Schulhof.

Auf dem Schulhof.

Viva con Agua Nepal, yeah!

Viva con Agua Nepal, yeah!

Nach unserem Abstieg besuchten wir u.a. noch eine weitere Schule im Tal. Dort hatten wir die Gelegenheit mit dem Schuldirektor über die Wasser- und Sanitärversorgung zu sprechen. Es ging dabei u.a. um Hygiene-Schulungen im Rahmen der Schulzeit, den Einfluss der Menstruation auf die An-/Abwesenheit von Schülerinnen, die Anzahl der Toiletten uvm.

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Die Schüler hörten interessiert zu, während die Welthungerhilfe und Viva con Agua vorgestellt wurden.

Mit dem Schuldirektor sprachen wir über die Wasser- und Sanitärversorgung.

Mit dem Schuldirektor sprachen wir über die Wasser- und Sanitärversorgung.

Nach drei intensiven Wandertagen stand etwas Erholung an: zwei Personen reiteten auf einem Elefanten, während sich der Rest der Truppe für eine Bootsfahrt mit anschließender Wanderung im Nationalpark entschied. Doch wir schipperten nicht einfach so entspannt umher – links und rechts von uns lauerten immer mal wieder ein paar Krokodile, die unser Guide mit seinen Adleraugen stets sofort erspähte.

Zu zwölft setzten wir uns in diesen schmalen Einbaum, um die Natur zu bewundern und an Krokodilen vorbeizufahren.

Zu zwölft setzten wir uns in diesen schmalen Einbaum, um die Natur zu bewundern und an Krokodilen vorbeizufahren.

Es dauerte nicht lang, bis wir das erste Krokodil während unserer Bootsfahrt entdeckten.

Es dauerte nicht lang, bis wir das erste Krokodil während unserer Bootsfahrt entdeckten.

Eine Bootsfahrt, die ist lustig, eine Bootsfahrt, die ist schön.

Eine Bootsfahrt, die ist lustig, eine Bootsfahrt, die ist schön.

Ganz klar: Elefanten müssen warten, die Boote haben Vorfahrt!

Ganz klar: Elefanten müssen warten, die Boote haben Vorfahrt!

Nach der Bootsfahrt wanderten wir durch den Nationalpark. Nashörner und Tiger sahen wir leider keine, dafür waren wir wohl zu geschwätzig.

Nach der Bootsfahrt wanderten wir durch den Nationalpark. Nashörner und Tiger sahen wir leider keine, dafür waren wir wohl zu geschwätzig.

Bevor es nach Kathmandu zurückging, statteten wir noch einmal der lokalen Partnerorganisation RRN einen Besuch in ihrem Büro ab, um mit ihnen die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen und letzte Fragen zu klären.

In den Räumlichkeiten der NGO RRN tauschen wir uns über die Erkenntnisse der vergangenen Tage aus.

In den Räumlichkeiten der NGO RRN tauschten wir uns über die Erkenntnisse der vergangenen Tage aus.

In Kathmandu führten wir gemeinsam mit Viva con Agua Schweiz einen Abschlussworkshop zur Projektreise durch. VcA Schweiz war zeitgleich gemeinsam mit der Schweizer NGO Helvetas auf Projektreise, so dass wir unsere Erfahrungen miteinander austauschen konnten.
Außerdem hatten wir am Abreisetag noch ein wenig Zeit, um die Landeshauptstadt zu erkunden.

Streetart in Kathmandu

Streetart in Kathmandu

Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Ich hoffe, dass die Arbeit von VcA, der Welthungerhilfe und RRN auch weiterhin erfolgreich Früchte tragen wird. Es ist bereits einiges geschafft, doch es geht noch so viel mehr.
Wenn auch ihr einen Teil dazu beitragen möchtet, könnt ihr gern die Arbeit von Viva con Agua unterstützen. Sei es durch eine Spende (hier online möglich!) oder durch euer eigenes Engagement als Supporter im Netzwerk, am Ende zählt nur eins:

Alle für
WASSER
für alle!