Wadi, lass uns einen Garten pflanzen!

Seit meinem letzten Beitrag hat sich einiges getan: gemeinsam mit meiner Mitfreiwilligen Fania wohne und arbeite ich inzwischen in Jhansi im Bundesstaat Uttar Pradesh. Die Stadt liegt ca. 5 Zugstunden (mit dem wunderbaren Bhopal Shatabdi Express!) südlich von Delhi entfernt. Wir haben unsere Partnerorganisation gewechselt, da die Arbeits- und Lebensbedingungen an unserem ersten Einsatzort für einen langfristigen Freiwilligeneinsatz nicht ganz so optimal waren. Ich lebe nach wie vor in Nordindien, doch ansonsten haben sich Bundesstaat, Partnerorganisation und Lebensumstände – vom Leben zwischen zwei Dörfern nun in einer Stadt – geändert.

Hier helfen wir Parmarth Samaj Sevi Sansthan bei ihrer Arbeit. Die NGO agiert in der Bundelkhand-Region, welche sich in Madhya Pradesh und Uttar Pradesh befindet und oftmals als eine der „most backwards areas of India“ bezeichnet wird. Begrenzte Wasserressourcen, extreme Wetterbedingungen (bis zu 50 Grad im Sommer, wenig und wenn sehr intensiver Regen während der Monsunzeit, im Winter fallen die Temperaturen teils bis zum Gefrierpunkt) und wenig fruchtbare Flächen sorgen dafür, dass viele Menschen keine Arbeit haben und somit unterhalb der Armutsgrenze leben.

Parmarth unterstützt insbesondere schwächere Mitglieder der Gesellschaft wie Angehörige unterer Kasten & Tribals, Frauen und Kinder, um deren Lebensumstände zu verbessern und einen langfristig gesicherten Lebensunterhalt zu ermöglichen. Sie arbeiten sowohl in ländlichen als auch urbanen Regionen.

Ihre Vision fassen sie folgendermaßen zusammen:

To contribute in building a society where all people can gain access to basic amenities such as education, health care, water & sanitation and livelihood opportunities and where all people can realize their full potential.

Dazu gibt es verschiedene Projekte, zum Beispiel auch von der EU, der Welthungerhilfe und Viva con Agua geförderte Projekte im Bereich WASH (Water, Sanitation & Hygiene).

Diese Woche gingen wir gemeinsam mit unserem Ansprechpartner der NGO erneut auf einen Field Visit, um das Wadi-Projekt in Talbehat zu besichtigen. Finanziell unterstützt wird es von der NABARD (National Bank for Agriculture and Rural Development of India). „Wadi“ richtet sich speziell an Tribals, ist Hindi und steht für „plant a garden“. Der Name ist Programm: Parmarth zeigt den Bewohnern, wie sie mithilfe von Obst-, Gemüse- und Getreideanbau ihren Lebensunterhalt verdienen können. Dabei lernen sie über Pflanzenzucht generell, Mischkulturen, organic Farming, wie sie die Produkte direkt auf dem Markt ohne Zwischenhändler verkaufen können uvm. Die Samen und Pflanzen werden zu Beginn bei Bedarf von Parmarth gestellt. Neben den angebauten Produkten verkaufen sie zudem natürliche Medizin, welche aus Waldpflanzen zusammengesetzt wird. Vom Projekt profitieren ca. 1.000 Familien (ca. 6-7 Familienmitglieder pro Haushalt). Zudem leistet Parmarth finanzielle Unterstützung beim Bau von Brunnen, um eine Bewässerung der Plantagen zu gewährleisten.

Ein Brunnen, welcher ausschließlich zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen genutzt wird.

Ein Brunnen, welcher ausschließlich zur Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen genutzt wird.

Das Projekt ist von 2010 bis 2017 vorgesehen, doch schon jetzt trägt die Arbeit Früchte: innerhalb der letzten 4 Jahre ist die Migration um 70% gesunken – während die Tribalangehörigen früher fortwandern mussten, um Arbeit zu finden, können sie sich nun ein Leben direkt vor Ort bei ihren Feldern finanzieren. Sunita, ein Mitglied der komplett aus Frauen bestehenden Self Help Group des Tribals Sahariya, berichtet uns freudig darüber, dass die Kinder nun auch Zugang zu Bildung erhalten und zur Schule gehen können. Für die Zukunft erhoffen sich die Bewohner noch mehr Erträge aus einer gesteigerten Produktion, da die Pflanzen zu einem Großteil noch nicht ausgewachsen sind. Von dem Geld möchten sie weitere Anbaumöglichkeiten finanzieren.

Wir wurden herzlich vom Sahariya Tribal empfangen und bekamen zur Begrüßung Blumen geschenkt. Eine hierzulande und auch in Nepal beliebte Geste der Gastfreundschaft.

Wir wurden herzlich vom Sahariya Tribal empfangen und bekamen zur Begrüßung Blumen geschenkt. Eine hierzulande und auch in Nepal beliebte Geste der Gastfreundschaft. (c) Fania 

Wir saßen mit einigen Angehörigen des Sahariya Tribals zusammen, um über ihre Erfahrungen seit Projektbeginn zu sprechen.

Wir saßen mit einigen Angehörigen des Sahariya Tribals zusammen, um über ihre Erfahrungen seit Projektbeginn zu sprechen.

Wohnhaus direkt neben der Plantage

Wohnhaus direkt neben der Plantage

Die Field Visits bringen immer wieder beeindruckende Momente mit sich – einerseits erhalten wir darüber die Möglichkeit eine Intervention direkt zu besichtigen. Doch vor allem die Begegnungen mit den Menschen sind besonders, wenn sie von einem gelungenen Projekt, aber vielmehr noch stolz von ihren eigenen, darauf basierenden Erfolgen berichten.

Stolz präsentierten uns die Bewohner ihre Plantage - hier mit Papaya.

Stolz präsentierten uns die Bewohner ihre Plantage – hier mit Papaya.

Dieses Bild muss sein: seit einigen Wochen bin ich großer Fan von Guaven. Zum Vergleich: in Deutschland kostet eine Frucht derzeit 2€ pro Stück, auf dem Markt in Talbehat werden sie für 20 Rupien pro Kilo verkauft. Das sind ca. 30 Cent.

Dieses Bild muss sein: seit einigen Wochen bin ich großer Fan von Guaven, sie sind einfach so lecker! Zum Vergleich: in Deutschland kostet eine kleine Frucht derzeit 2€ pro Stück, auf dem Markt in Talbehat werden sie für 20 Rupien pro Kilo verkauft. Das sind ca. 30 Cent.

Zwei Frauen der Self Help Group: rechts ist Sunita zu sehen.

Zwei Frauen der Self Help Group: rechts ist Sunita zu sehen.

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Obst- und Gemüsemarkt in Talbehat

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