Rajasthani Roadtrip

Kaum im Projektgebiet von Tarun Bharat Sangh angekommen, machten wir mit unseren Ansprechpartnern Pooja & Maulik schon nach wenigen Tagen einen längeren Ausflug quer durch den Bundesstaat Rajasthan. Während ich bereits in den ersten 1,5 Wochen vom turbulenten Straßenverkehr beeindruckt war, offenbarte sich auf dieser Tour noch einmal eine ganz andere Dimension. Ein Mix aus Geschwindigkeit, Schlaglöchern und Improviationskünsten erweckt das Gefühl einer Achterbahnfahrt. Wenn die Highway-Auffahrt mit Trucks verstopft ist, kann man schon mal spontan umdrehen, die Highway-Abfahrt (!) nehmen und oben auf der Straße einen U-Turn machen. Alles eine Frage der Problemlösung.

Im Zuge unseres Roadtrips besuchten wir die Familien der beiden. Dies führte uns zunächst für eine Nacht nach Jaipur (bekannt als „Pink City“ aufgrund der Häuserfarbe, wobei es eher orange ist) zu Mauliks Mutter, um anschließend weiter gen Westen zu Poojas Familie zu fahren. Ihre Familie wohnt in der ländlichen Wüstenregion ca. 100km von der pakistanischen Grenze entfernt. Vor Ort besichtigten wir unter anderem Baumwoll- und Erdnussfelder, kleine Tempel sowie verschiedene Regenwasserauffangbecken. Momentan erscheint das Gebiet noch recht grün. Doch die Monsunzeit klingt allmählich ab, so dass in einigen Wochen/Monaten Wanderdünen dominieren werden. Ein Großteil der Familie versammelte sich, um bei einem gemeinsamen Fest den Vorfahren zu gedenken. Dazu wurde ein großes Abendmahl aufgetischt, wofür u.a. extra ein Ziegenbock als Opfergabe geköpft wurde. Generell ernähre ich mich hier jedoch meistens vegetarisch.

Ausflug zur Familie unserer Ansprechpartnerin Pooja.

Ausflug zur Familie unserer Ansprechpartnerin Pooja.

Auf dem Weg zu einem Tempel passierten wir auch dieses Regenwasserauffangbecken.

Auf dem Weg zu einem Tempel passierten wir auch dieses Regenwasserauffangbecken.

Die Tage danach verbrachten wir bei Poojas Schwester in Jodhpur, auch bekannt als „Blue City“, da die Häuser hier zu einem Großteil blau bemalt sind. Dies soll angeblich einerseits einen kühlenden Effekt haben und darüber hinaus vor Moskitos schützen. An einem Tag besuchten wir einen lokalen Markt – ‚Shopping’ schaut hier ganz anders aus als bei uns daheim. Viele Sachen werden auf Wägen sowie in kleinen Ständen verkauft, die eher Garagen ähneln. In manchen Bekleidungsgeschäften muss man zudem sagen, was man gern anschauen möchte (lange Kurta, kurze Kurta, usw. – die Auswahl ist groß), ohne es vorher sehen zu können.

Die Zeit in Jodhpur war jedoch vor allem vom Monsun geprägt. Der heftige Regen hat hier in kürzester Zeit veranschaulicht, welche Gewalt er innehat. Der Bundesstaat Rajasthan befindet sich in einer ariden bis semi-ariden Region. Regenfälle treten hier nur selten innerhalb einer kurzen Periode von wenigen Monaten auf, dafür aber mit unglaublicher Intensität. Überflutete Straßen sind zu dieser Zeit keine Seltenheit. So mussten wir aufgrund der unbefahrbaren Straßen einen Umweg nehmen, als wir mit Ganesha – dem Elefantengott – an seinem Geburtstag „Ganesh Jayanti“ an eine Wasserquelle fahren wollten, um diesen dort zu baden. Auch unsere Rückfahrt verzögerte sich aufgrund der Regenfälle um einige Tage. Doch die unglaubliche Gastfreundlichkeit der Familie ließ die Regenzeit schnell verstreichen. Auch hier hieß es wieder: schlemmen, schlemmen, schlemmen. An einem Abend sollten Fania und ich eigentlich etwas Deutsches kochen – das ist jedoch leichter gesagt als getan. Diverse Rezepte, die uns in den Sinn kamen, enthielten unauffindbare Bestandteile. Mangels Zutaten kauften die anderen letztendlich Burger & Pizza – selbst diese waren mit Paneer (Käse), Chilis und italienischen Kräutern (natürlich auch mit Chili) indisch angehaucht. Als krönende Sahnehaube gab es noch eine Torte mit persönlicher Widmung für Fania und mich. Da man uns gern zeitgleich ruft (Fania and Tini), hatten wir FANINI als Namensfusion vorgeschlagen. Zu unserer großen Freude stand genau das auf der Torte.

Ganesh Jayanti aka der Geburtstag vom Elefantengott Ganesha.

Ganesh Jayanti aka der Geburtstag vom Elefantengott Ganesha.

Prasad - Opferspeise anlässlich Ganeshas Geburtstag.

Prasad – Opferspeise anlässlich Ganeshas Geburtstag.

Ein Hauch von Sahne: Finini (eigentlich Fanini) ist unser Vorschlag, um uns zeitgleich zu rufen. Geht schließlich viel schneller als Fania und Tini. Liebenswerterweise bekamen wir diese Torte geschenkt.

Ein Hauch von Sahne: Finini (eigentlich Fanini) ist unser Vorschlag, um uns zeitgleich zu rufen. Geht schließlich viel schneller als Fania und Tini. Liebenswerterweise bekamen wir diese Torte geschenkt.

Generell zeigten mir diese Tage, wie unterschiedlich Indien sein kann. Einerseits wird man stets intensiv als Auswärtiger angestarrt, so dass ich mich im ersten Moment so fremd wie in noch keinem anderen Land fühle, wenn ich die Straßen entlang laufe. Sobald man jedoch mit den Menschen in Kontakt kommt, wird man mit einer wahnsinnig herzlichen Gastfreundschaft aufgenommen. Die Leute hier sprechen gern Einladungen zu sich nachhause aus – sei es nur für einen kurzen Chai oder für einige Tage zu Besuch, um deren Heimat kennenzulernen. Beeindruckend, diese Offenheit.

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2 Kommentare

  1. In unserer Unterkunft ernährt man sich vegetarisch und es werden keine Eier gegessen. Da sind Hühner etwas Fehl am Platz…somit müssen wir uns wohl nen Plan B für die Challenge überlegen. Wir hätten Hundewelpen und Ziegenbabys als Alternative!

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